Sächsischer Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V.

Sven Krüger – Landrat Mittelsachsen, Ingo Seifert – Bürgermeister Bergstadt Schneeberg, Rico Anton – Landrat Erzgebirgskreis, Ray Lätzsch – Vorsitzender Sächsischer Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V., Steve Ittershagen – Geschäftsführer Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V., (Foto: Tim Fischer │ Instagram: @fotograf.tim)

Ehrenamt des Monats: „Vier Jahrzehnte im Dienst der Bergbautradition“

Seit mehr als vier Jahrzehnten engagiert sich Ray Lätzsch mit außergewöhnlichem persönlichem Einsatz für die Pflege und den Erhalt der berg- und hüttenmännischen Traditionen in Sachsen. Als Vorsitzender der Bergbrüderschaft „Schneeberger Bergparade“ e. V. und des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V. war er ein entscheidender Wegbereiter, der dem montanhistorischen Erbe Sachsens zu der Strahlkraft verholfen hat, die es heute weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt macht.

Begriffen wie Bergbautradition und Brauchtumspflege ist eine gewisse Romantik zu eigen – sie verleitet dazu, zuerst an glanzvolle Bergaufzüge, technische Denkmale und urige Mettenschichten unter Tage zu denken. Für solche Erlebnisse braucht es aber auch professionelle Strukturen zur Organisation, finanzielle Mittel und engagierte Akteure, um die insgesamt 76 Mitgliedsvereine im Landesverband zu betreuen und dafür Sorge zu tragen, dass jedes Jahr allein in Sachsen rund 15 Bergparaden mit tausenden Zuschauern stattfinden können.
In seiner Doppelfunktion als Vorsitzender der Bergbrüderschaft Schneeberg e. V. und des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V. ist Ray Lätzsch permanent unterwegs: Arbeitstermine wie Vorstands- und Beiratssitzungen, Beratungen zu den Bergparaden und Mitgliederversammlungen gehören genauso zu seinen Aufgaben wie repräsentative Termine zu Bergquartalen, Vereinsjubiläen oder Festveranstaltungen.
Seit seinem Amtsantritt im Vorstand des Landesverbandes hat er kontinuierlich darauf hingearbeitet, diesen zukunftsfähig aufzustellen, indem er die Mitglieder mit auf einen gemeinsamen Weg genommen hat.
Unterstützer und Förderer hat er davon überzeugt, wie wichtig die Qualität der Vereins- und Nachwuchsarbeit für den Erhalt der Bergbautradition ist. Als fleißiger Netzwerker hat Ray Lätzsch Entscheider aus Politik und Wirtschaft zusammengebracht und für eine Mitarbeit im Beirat des Landesverbandes gewonnen. Es ist ihm außerdem gelungen, die Zusammenarbeit mit anderen Dachverbänden, wie dem Montanregion Erzgebirge e. V. als Träger des UNESCO-Welterbes, dem Tourismusverband Erzgebirge e. V. und dem Sächsischen Blasmusikverband e. V. stetig auszubauen.
In den letzten acht Jahren konnte der Verband 14 neue Mitgliedsvereine gewinnen – die Anzahl der Mitglieder stieg um über 900 auf insgesamt 4.358. Unter seiner Mitwirkung erhielten die Sächsischen Bergparaden sowie Bergaufzüge 2013 und später das „Steigerlied“ ihre Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO in Deutschland. Als Mitglied im Vorstand des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V. hat der 56-jährige dem Sächsischen Landesverband zu hohem Ansehen verholfen, was insbesondere auf seine Empathie, sein professionelles Auftreten und sein besonderes Talent zurückzuführen ist, Menschen zu begeistern und für gemeinsame Vorhaben zu gewinnen.

„Ray Lätzsch hat als Vorsitzender der Schneeberger Bergbrüderschaft die tägliche Arbeit an der Vereinsbasis nie aus den Augen verloren. Ich nehme ihn als Mensch wahr, der bergmännische Werte wie Fleiß, Traditionsbewusstsein und Bodenständigkeit vorlebt und weitergibt“, würdigt Landrat Rico Anton die Verdienste des Schneebergers. „Diese Authentizität, sein Idealismus und die unermüdliche Bereitschaft hart dafür zu arbeiten, sind der Garant für sein ausgesprochen erfolgreiches Engagement als Vorsitzender des Landesverbandes. Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří und die Bergbautradition in ganz Sachsen haben ihm eine
Menge zu verdanken.“

Im Interview verrät uns Ray Lätzsch, was ihn dazu bewogen hat, sich als Vorreiter für das montanhistorischen Erbe Sachsens einzusetzen.


Seit wann fühlen Sie sich der Bergbautradition im Erzgebirge verpflichtet?
Ray Lätzsch: „Die erzgebirgischen Traditionen wurden in unserer Familie schon immer gepflegt und gelebt.
Mein Opa war bei der WISMUT. Ich bin mit dem Bewusstsein für Brauchtum aufgewachsen und der Bergbau hat mich von Kindesbeinen an fasziniert. Mit 14 Jahren bin ich in die Bergbrüderschaft Schneeberg eingetreten.“

Es gibt viele Wege um sich für den Erhalt des Brauchtums einzusetzen. Warum haben Sie den steinigen Pfad als Führungskraft auf Verbandsebene gewählt?

Ray Lätzsch: „Dieser Weg war so nicht geplant – er hat sich mit der Zeit ergeben. Ich bin seit 1998 Vereinsvorsitzender in Schneeberg und hatte von da an Verbindungen zum Landesverband. Als 2002 ein neuer stellvertretender Vorsitzender gesucht wurde, ist der Entschluss gereift, mich dieser Verantwortung zu stellen.
Ab 2015 habe ich aufgrund der Erkrankung des damaligen Vorsitzenden sein Amt kommissarisch ausgeübt, bis ich 2018 offiziell zum Vorsitzenden des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V. gewählt wurde.
Es sind vor allem bürokratische Hürden, die sowohl die Arbeit des Landesverbandes aber auch die Arbeit der Vorsitzenden in den einzelnen Vereinen immer schwieriger werden lassen. Ein Bürokratieabbau findet in der Praxis nicht wirklich statt. Der Aufwand steigt weiter und es wird damit immer schwieriger, junge Menschen dafür zu begeistern, Verantwortung zu übernehmen. Aber es braucht Menschen, die auch bereit sind, steinige Wege zu gehen.“

Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht der Erhalt des montanhistorischen Erbes für das Erzgebirge?

Ray Lätzsch: „Unsere Bergbaugeschichte und alles was mit ihr in Verbindung steht, ist ein Wirtschaftsfaktor und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für den Tourismus. Damit das so bleibt, muss es gelingen, die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří nicht nur zu erhalten, sondern sie weiter mit Leben zu erfüllen. Genau dort sehe ich uns als Verband gemeinsam mit den Vereinen vor Ort in der Verantwortung.“

Sie sind neben dem Beruf auf Vereins- und Landesebene als Vorstand engagiert. Wieviel Zeit bleibt für Ihr Privatleben?

Ray Lätzsch: „Der Sächsische Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e. V. hat in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen. Mehr Mitglieder und Vereine bedeuten aber auch, dass die freien Wochenenden seltener werden. Neben den alltäglichen Aufgaben, die für den Verein und den Verband zu erledigen sind, bin ich auch sehr oft zu repräsentativen Zwecken unterwegs. Als Vorsitzender des Landesverbandes erhält man viele Einladungen zu den verschiedensten Anlässen. Meine Familie und meine Partnerin stehen zum Glück fest hinter dem, was ich tue – ohne ihre Unterstützung würde es nicht funktionieren.“

Was treibt Sie persönlich an?

Ray Lätzsch: „Die Pflege der berg- und hüttenmännischen Traditionen, insbesondere die Organisation der Bergparaden, ist für die Vereine und uns als Vorstand des Landesverbandes Jahr für Jahr eine riesige Herausforderung, die nur gemeinsam als funktionierendes Team zu bewältigen ist. Gemeinsam erfolgreich zu sein, die gegenseitige Anerkennung für das Geleistete und natürlich die Wertschätzung tausender Besucher zu den Bergaufzügen – das ist es, was mich antreibt. Die Auszeichnung mit dem Ehrenamt des Monats gebührt allen Bergbrüdern und -schwestern, weil wir nur als Gemeinschaft leistungsfähig sind.“

Einer Ihrer langjährigen Wegbegleiter sprach davon, dass Sie viele Rollen ausfüllen können: die des strengen und fordernden Vorsitzenden genauso, wie die des fürsorglichen Zuhörers und Beraters oder die des Mediators und Freund des Vereins. Ist das, das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ray Lätzsch: „Wenn es beispielsweise um die Paradeordnung geht, bin ich gewiss streng und fordere auch ein, dass sie eingehalten wird. Mir ist es wichtig, so nah wie möglich an der Basis, sprich an unseren bergmännischen Vereinen dran zu sein. Das funktioniert aber nur, wenn man so oft es geht, vor Ort präsent ist.
Als Vorsitzender der Bergbrüderschaft „Schneeberger Bergparade“ e. V. sind mir die Sorgen und Nöte unserer Vereinsmitglieder bekannt. Das hilft mir auch mit anderen Mitgliedsvereinen auf Augenhöhe zu kommunizieren, weil ich mich gut in ihre Lage hineinversetzen kann.“

Wenn es etwas zu feiern gibt: Bier oder Wein?

Ray Lätzsch: „Wein, rosé oder weiß trocken.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Bergbautradition in Sachsen?

Ray Lätzsch: „Ich wünsche mir, dass wir unsere berg- und hüttenmännischen Traditionen weiter feiern können. Voraussetzung ist eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Vor dem Hintergrund der aktuellen demographischen Entwicklung ist das die größte Herausforderung, vor der die Vereine in Sachsen stehen. Zum Dritten wünsche ich mir, dass wir weiterhin auf die Unterstützung des Freistaates und der Landkreise bauen können, denn Traditionspflege kostet nun mal auch Geld.“

Für sein langjähriges und umfassendes Engagement zum Erhalt und zur Pflege der Bergbautradition wurde Ray Lätzsch mit dem „Ehrenamt des Monats Mai 2026“ ausgezeichnet. Er erhielt von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.

Text: Landratsamt Erzgebirgskreis
Fotos: Tim Fischer │ Instagram: @fotograf.tim

Ehrenamt des Monats setzt sich fortlaufend für Wertschätzung und Bewusstsein von ehrenamtlichem Engagement ein
Mit der Kampagne „Ehrenamt des Monats“ hat die Fachstelle Ehrenamt des Landratsamtes Erzgebirgskreis eine neue Plattform geschaffen, um das ehrenamtliche Engagement im Erzgebirgskreis noch stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Einmal im Monat werden ein Verein, eine Initiative oder individuell engagierte Einzelpersonen mit dem Ehrenamt des Monats ausgezeichnet. Vorschläge können über ein Online-Formular oder formlos postalisch (unter dem Stichwort „Ehrenamt des Monats“ zu richten an die Fachstelle Ehrenamt) eingereicht werden. Weitere Informationen dazu finden Interessierte auf www.ehrenamt.erzgebirgskreis.de/edm.
Pressekontakt: Stefan Pechfelder
Pressesprecher Landratsamt Erzgebirgskreis, Paulus-Jenisius-Straße 24, 09456 Annaberg-Buchholz
Telefon 03733 831-1009; Fax 03733 831-1027
E-Mail: stefan.pechfelder@kreis-erz.de
Internet: www.erzgebirgskreis.de